alarmierende IGLU-Studie

KEG fordert mehr Personal für Grundschulen

Die Ergebnisse der aktuellen IGLU-Studie zeigen: Viele Viertklässler haben große Schwierigkeiten beim Lesen. Jeder fünfte Schüler erreichte im Test nicht einmal die mittlere Kompetenzstufe einer fünfstufigen Skala. Besonders im internationalen Vergleich hat sich damit die Leseleistung der deutschen Grundschüler verschlechtert. Die KEG fordert dringende strukturelle Reformen. Um die Kinder angemessen zu fördern, muss an den Grundschulen mehr Personal eingestellt werden.

Im Detail sehen die Ergebnisse der IGLU-Studie für Deutschland sehr durchwachsen aus. Es ist alarmierend, dass die Zahl der Grundschüler mit starken Leseschwächen seit 2001 um zwei Prozentpunkte gestiegen ist, nämlich von 16,9 Prozent auf 18,9 Prozent. Und das, obwohl es der Anteil der Kinder mit schlechten Ergebnissen 2006 und 2011 deutlich kleiner war. Auf der anderen Seite ist der Anteil der leistungsstarken Grundschüler in Deutschland, die im Test die höchste Kompetenzstufe V erreichen, von 8,6 Prozent im Jahr 2001 auf 11,1 Prozent in 2016 gestiegen. Das ist erfreulich, zeigt aber auch: Die Kluft zwischen den Schülern aus unterschiedlichen Milieus wird immer größer. Die Ganztagsschulen entpuppen sich unter diesen Umständen als reine Betreuungs- statt als Förder-Einrichtungen. Die Grundschulen schaffen es nicht, mit ihrer Arbeit für mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen.

Deshalb fordert die KEG erneut mehr Personal an Grundschulen, und zwar in Form sogenannter multiprofessioneller Teams. Neben weiteren Lehrkräften müssten Psychologen, IT-Fachleute und Sozialpädagogen eingestellt werden. Nur so seien die Schulen in der Lage, den Herausforderungen der heutigen Zeit entgegentreten, so KEG-Vorsitzende Ursula Lay. Inklusion, Integration und Digitalisierung seien diesbezüglich nur einige Stichpunkte.

In Kombination mit dem anhaltenden Lehrermangel an Grundschulen in Deutschland und der noch immer schlechten Besoldung der Lehrkräfte (im Vergleich mit dem Gymnasium) sei es aktuell kaum verwunderlich, dass für die individuelle Förderung von Kindern in der Grundschule aus unterschiedlichen sozialen Milieus kaum Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Studie zeigt in der Tat, dass insgesamt nur ein Drittel der leseschwachen Schülerinnen und Schüler in Deutschland eine zusätzliche schulische Förderung im Lesen erhält.

Wie die Autoren des „Spiegel“ vermuten, ist das Ergebnis der IGLU-Studie zudem wohl eher als ein Symptom von vielen zu betrachten. Denn andere, kleinere Studien zeigen, dass sich die deutschen Grundschüler in den vergangenen Jahren auch in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung zurückgefallen sind. Umso dringlicher ist der Appell der KEG, die finanziellen und zeitlichen Ressourcen für Grundschulen aufzustocken und mehr Experten für die verschiedenen Problemfelder einzustellen.

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